Türen offen
Bildrechte: Felix Reuter

Auf dem Weg zur Diakoniekirche

Die Evangeliumskirche am Stanigplatz wird zur Diakoniekirche umgebaut. Es ist eine große Baustelle, die nicht nur das Gebäude betrifft. Der Umbau wirkt sich auf viele Prozesse aus, die unsere evangelische Kirche gerade beschäftigen, vom Mitgliederrückgang bis zu schwindenden Ressourcen. Es ist ein Projekt der Kirchengemeinde mit dem Prodekanat München-Nord, dem Dekanatsbezirk München und der Bayerischen Landeskirche mit der Diakonie Hasenbergl, das nur im Miteinander von Kirche und Diakonie gestemmt werden kann.
Hier soll Neues entstehen. Dazu wird eine Projektstelle Diakoniekirche eingerichtet, um in den nächsten Jahren unabhängig von Gemeindegliederzahlen in der Region agieren zu können. Diese Projektstelle werde ich, Pfarrerin Sophie Schuster, ab September 2022 übernehmen und nur noch mit einer halben Stelle Pfarrerin der Evangeliumskirche sein.
Immer wieder werde ich gefragt: „Wie ist denn das Konzept der Diakoniekirche?“ Dazu muss ich immer wieder antworten: „Es gibt (noch) kein Konzept.“ Die Diakoniekirche muss sich entwickeln. Es ist ein herausfordernder Prozess, der mit sich bringt, dass eng verbundene Kirchengemeindeglieder und auch Hauptamtliche ihr Bild von Kirche - so wie es immer war - verändern. Denn die Diakoniekirche wird etwas Neues sein, ein Raum, der Innovatives im Miteinander von Kirche und Diakonie möglich macht. Denkbar ist dabei vieles. Am Ende wird es auf die Menschen ankommen, die diese technisch gut ausgestatteten sowie barrierefreien Räume nutzen werden. Der Kirchenraum wird für Gottesdienste, Konzerte, Vorträge und Tagungen offen sein. Im hinteren Drittel des Kirchenraums wird es als Begegnungsraum ein Foyer geben, mit direktem Durchgang in die Geschäftsstelle der Diakonie Hasenbergl im ehemaligen Gemeindehaus. Darüber, im ersten Stock werden Räume für Besprechungen und Gruppen sein. Im zweiten, neu eingezogenen Obergeschoss wartet ein großer Saal auf vielseitige Veranstaltungen.
Die Diakoniekirche ist verkehrstechnisch mit Bus und U-Bahn gut angebunden. Diakonische Themen können hier gemeinsam von verschiedenen diakonischen Trägern und evangelischer Kirche öffentlichkeitswirksam platziert werden. Hier kann Vernetzung passieren, zwischen Menschen im Stadtteil, Kirche in der Region, zu Themen, die gerade wichtig sind. Der Raum wird für Gemeinschaft, als Veranstaltungsort, als Experimentierfeld, für Austausch und Begegnung, für Menschen und Gott bereitgestellt.
Manch praktische Frage ist noch zu klären: Wer nutzt wann welche Räume zu welchen Konditionen? Wie organisieren wir die unterschiedlichen Nutzungen? Wann werden Gottesdienste gefeiert? Wann kann man im Foyer zum Kaffee vorbeikommen?
Vieles ist noch offen und das finde ich gut. Denn Neues kann kaum durch ein feststehendes Konzept von oben herab vorgegeben werden. Aber wie wäre es, wenn Zusammenkommen in der Diakoniekirche ganz einfach wäre? Wie wäre es, wenn wir miteinander dieses Neue entwickeln, Fragen nachgehen, Ideen verwirklichen und die Räume füllen?
Bei einem Online-Infoabend zur Diakoniekirche Anfang Mai 2022 wurde deutlich: Der Kirchenvorstand am Ort hat sich schon viele Gedanken gemacht und den Umbau vorangetrieben. Aber es gibt noch viele Aspekte zu bedenken, die durch die Perspektive der Region, der Nachbarkirchengemeinden und anderer Akteure angereichert werden können. Denn die Diakoniekirche ist kein kleines, kirchengemeindliches Vorhaben. Die Diakoniekirche ist ein Projekt, das in der Region steht und für den Stadtteil und die Region da ist, damit sich der Standort verändern kann, damit neue Formen von Kirche möglich werden und das Gebäude möglichst täglich und dauerhaft genutzt wird.

InnenraumKirche
Bildrechte: Felix Reuter

Wie das genau gehen kann? Ich will es mit Ihnen zusammen herausfinden. Ich freue mich, wenn sich möglichst viele Stimmen, manche Skeptiker und Bedenkenträgerinnen, genauso wie Begeisterte und Befürworterinnen beteiligen und Hochverbundene mit Neugierigen ins Gespräch kommen.
Evangelische Kirche verändert sich. Ich hoffe, dass in Zukunft Menschen da sein werden, die sagen: Die Diakoniekirche ist ein guter Ort, da kann ich sein und mitgestalten, da finde ich Gemeinschaft zielgruppenübergreifend und milieuübergreifend, ökumenisch, im Stadtteil, im Münchner Norden, zum Feiern und für Begegnung. Kirche ist nah, ansprechend und ermutigend.
Um uns diesem Ziel zu nähern, wollen wir, die kirchlichen Hauptamtlichen vor Ort, Dekan Felix Reuter und Pfarrerin Sophie Schuster in Kooperation mit den Vorständen der Diakonie Hasenbergl, Gereon Kugler und Dr. Stefan Fröba, und einen „Beteiligungsprozess Diakoniekirche“ in Gang setzen und diesen professionell begleiten lassen. Sie sind herzlich eingeladen dabei zu sein.
Wir planen mehrere Termine an unterschiedlichen Orten im Herbst 2022. Bei jedem Termin wird die Gruppe bunt zusammengewürfelt sein: Menschen aus den Kirchenvorständen, Interessierte aus Kirchengemeinden und Neugierige, Hauptamtliche, Ehrenamtliche und Menschen, die zufällig dazu stoßen. Reden Sie mit, damit die Diakoniekirche ab Februar 2023 mit wirklich interessanten und relevanten Themen und Projekten die Türen öffnen kann.
Die Termine für den Beteiligungsprozess lagen bei Drucklegung noch nicht vor. Diese werden ab Ende Juli 2022 bekannt gemacht und auf www.evangeliumskirche.de zu finden sein.
Ich freue mich auf interessante Gespräche, die Visionen der Diakoniekirche lebendig werden lassen!
Herzlichst, Ihre Sophie Schuster